Nicht-invasive Hirnstimulation (NIBS) ist eine Methode, um die Gehirnaktivität von außen zu beeinflussen – ohne Operation, Implantate, oder Narkose. Dabei werden über die Kopfhaut schwache elektrische Ströme oder magnetische Felder angewendet, um die Kommunikation von Gehirnzellen zu modulieren. Wenn etablierte Sicherheitsrichtlinien eingehalten werden, gilt die Methode im Allgemeinen als sicher, schmerzfrei und mit geringem Risiko. Zwei häufig verwendete Formen der NIBS sind Transkranielle Stromstimulation (TES) und Transkranielle Magnetstimulation (TMS).
Nicht-invasive Hirnstimulation kann im Zusammenhang mit unter anderem folgenden Krankheitsbildern in Betracht gezogen werden:
Die Behandlungen mittels nicht-invasiver Hirnstimulation gehören bislang nicht zum regulären Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherungen. Während die Kosten für eine Hirnstimulationsbehandlung bei privat versicherten Patientinnen und Patienten in der Regel von der Krankenversicherung übernommen werden, gestaltet sich die Kostenübernahme für gesetzlich Versicherte differenzierter.
Die eigentliche Stimulationsbehandlung stellt für gesetzlich Versicherte im ambulanten Bereich derzeit eine Selbstzahlerleistung dar. Allerdings können bestimmte ärztliche Begleitleistungen bei entsprechender medizinischer Indikation über die Krankenkasse abgerechnet werden. Hierzu zählen insbesondere die ärztliche Beratung sowie die medizinisch notwendige Abklärung und Behandlung möglicher unerwünschter Wirkungen der Stimulation, sofern die jeweiligen Abrechnungsvoraussetzungen erfüllt sind.
Unter dem Begriff der nicht-invasiven Hirnstimulation werden verschiedene Verfahren zusammengefasst, mit denen die Aktivität des Gehirns gezielt beeinflusst werden kann, ohne dass ein operativer Eingriff erforderlich ist. Die Verfahren unterscheiden sich insbesondere in ihrer Wirkweise und der Art der Stimulation.
Zu den wichtigsten Methoden gehören:
Transkranielle Magnetstimulation (TMS)
Bei der transkraniellen Magnetstimulation werden mithilfe einer speziellen Magnetspule kurze magnetische Impulse erzeugt, die bestimmte Bereiche des Gehirns erreichen. Dadurch kann die Aktivität der Nervenzellen gezielt angeregt oder gehemmt werden. Insbesondere bei der repetitiven transkraniellen Magnetstimulation (rTMS) werden wiederholte Impulse eingesetzt, um die Aktivität und Kommunikation neuronaler Netzwerke längerfristig zu beeinflussen. Das Verfahren wird unter anderem zur Behandlung von Depressionen eingesetzt und findet auch bei weiteren neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen Anwendung.
Transkranielle Stromstimulation (tES)
Bei der transkraniellen Stromstimulation wird über Elektroden auf der Kopfhaut ein schwacher elektrischer Strom abgegeben. Dieser beeinflusst die Erregbarkeit der Nervenzellen und kann dazu beitragen, die Aktivität bestimmter Hirnnetzwerke zu regulieren. Die Stimulation ist in der Regel gut verträglich und wird häufig lediglich als leichtes Kribbeln auf der Kopfhaut wahrgenommen. Aufgrund der vergleichsweise einfachen und kompakten Geräte kann die tDCS nach entsprechender ärztlicher Anleitung und unter regelmäßiger fachlicher Begleitung bei geeigneten Patienten auch zu Hause durchgeführt werden.
Transkutane Vagusnervstimulation (tVNS)
Die transkutane Vagusnervstimulation nutzt schwache elektrische Impulse, um bestimmte Äste des Vagusnervs über die Haut zu stimulieren, beispielsweise im Bereich der Ohrmuschel. Der Vagusnerv verbindet das Gehirn mit zahlreichen inneren Organen und spielt eine wichtige Rolle bei der Regulation des vegetativen Nervensystems. Über seine Verbindungen zum Gehirn kann die Stimulation neuronale Netzwerke beeinflussen, die unter anderem an der Verarbeitung von Stress, Emotionen und körperlichen Regulationsprozessen beteiligt sind. Die tVNS wird bei verschiedenen neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen erforscht und eingesetzt. Je nach Behandlungsplan kann die Anwendung nach entsprechender Einweisung auch im häuslichen Umfeld erfolgen.
Die Hirnstimulation erfolgt bequem im Sitzen und ist nicht-invasiv. Das bedeutet, dass weder ein operativer Eingriff noch eine Narkose erforderlich sind. Während der Behandlung bleiben Sie wach und können sich entspannen. Je nach angewendetem Verfahren werden eine spezielle Spule oder Elektroden gezielt am Kopf positioniert. Durch kurze Impulse werden bestimmte Hirnregionen stimuliert.
Die Behandlung wird individuell auf Ihre Bedürfnisse abgestimmt und von geschultem Fachpersonal durchgeführt. Während der gesamten Sitzung werden Sie fachkundig betreut. Im Anschluss können Sie die Praxis in der Regel direkt verlassen und Ihren gewohnten Alltag fortsetzen. Für einen nachhaltigen Behandlungseffekt sind in der Regel mehrere Sitzungen erforderlich. Die genaue Anzahl und Dauer richten sich nach dem jeweiligen Stimulationsverfahren und Ihrem individuellen Behandlungsplan.
Bei einer heimbasierten Stimulation haben Sie die Möglichkeit, die Behandlung selbstständig in Ihrer vertrauten Umgebung durchzuführen. Hierfür erhalten Sie und auf Wunsch auch Ihre Angehörigen eine ausführliche Einweisung in die sichere Anwendung und Bedienung des Stimulationsgeräts. Um Ihnen einen noch sicheren und selbstständigen Umgang mit dem Gerät zu ermöglichen, bieten wir bei Bedarf angeleitete Probestimulationen in unserer Praxis an. Dabei können Sie die Anwendung unter Aufsicht unseres geschulten Fachpersonals üben und offene Fragen direkt klären. Anschließend stellen wir Ihnen für einen festgelegten Zeitraum ein Leihgerät zur Verfügung. Um den Behandlungsverlauf optimal zu begleiten, vereinbaren wir regelmäßige Kontrolltermine, die entweder telemedizinisch oder persönlich in unserer Praxis stattfinden können. Auch zwischen den Terminen stehen wir Ihnen bei Fragen oder Unsicherheiten selbstverständlich zur Verfügung.
Beide Verfahren arbeiten mit kurzen Impulsen, die Nerven gezielt anregen können. Der wichtigste Unterschied liegt darin, wie diese Impulse in den Körper gelangen. Bei der Stromstimulation werden schwache elektrische Impulse über Elektroden auf der Haut abgegeben. Dabei kann ein leichtes Kribbeln spürbar sein. Bei der Magnetpulsstimulation werden die Impulse mit einer Magnetspule erzeugt. Sie können die Haut und das Gewebe durchdringen und dadurch auch tiefer liegende Nervenstrukturen erreichen. Die Behandlung wird meist als schmerzfrei empfunden. Welche Methode geeignet ist, hängt von der jeweiligen Erkrankung und dem gewünschten Behandlungsziel ab.
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Priv. Doz. Dr. med . Dirk Czesnik
Facharzt für Neurologie
Dr. med Katrin Sobh
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Neurologie
Dr. med. Florian Klinker
Facharzt für Neurologie (angestellt)
Dr. med. Rosine Lahno
Fachärztin für Neurologie (angestellt)